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Was will die Initiative „Stolpersteine für Düren“?
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Viele werden sie vielleicht bei einem Gang durch Köln (oder eine andere deutsche Stadt) schon wahrgenommen haben, ohne auf den
ersten Blick mit ihnen etwas anfangen zu k
önnen: kleine, ins Pflaster der Bürgersteige eingelassene Messingplatten, auf denen etwas eingraviert war. Zum
Lesen muss man sich b
ücken:
Hier wohnte
Ernst Wahl
Jg. 1873
deportiert 1942
Theresienstadt
ermordet 1944 in
Auschwitz
Seit 1996 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig seine „Stolpersteine“, zuerst illegal, dann mit Billigung, meist sogar auf Wunsch der Städte oder von Bürgergruppen. Es sind 10 x 10 cm große Betonsteine, auf deren Oberseite eine Messingtafel befestigt ist. In sie
werden die Namen derjenigen eingraviert, die in dem Haus, vor dem der Stein
liegt, gewohnt haben. Bevor sie verschleppt und ermordet wurden.
Auch wenn es sich in der Mehrzahl um ehemalige jüdische Mitbürger gehandelt hat, derer auf diese Weise gedacht wird, betont Demnig, er schließe prinzipiell jede Opfergruppe ein: Sinti und Roma genau so wie Homosexuelle,
Zeugen Jehovas ebenso wie Mitglieder des politischen Widerstands.
Einige tausend Steine hat Demnig mittlerweile verlegt – angesichts der unfassbaren Zahl der Opfer des NS-Regimes ist dies nur ein
Anfang. Aber immerhin ein Anfang.
Auch in Düren haben die NS-Schergen viele Menschen verschleppt und ermordet. Ihre genaue
Zahl und all ihre Namen werden wohl nie mehr genau zu ermitteln sein. Aber
derer, die wir noch namentlich benennen k
önnen, soll gedacht werden.
Im Frühjahr 2004 fanden auf Initiative von Ludger Dowe erste Gespräche statt – mit Interessierten in Düren, aber natürlich auch mit Gunter Demnig, der sein Projekt möglichst selbst an einem Abend hier vorstellen sollte. Das ergab sich dann
allerdings aus verschiedenen Gr
ünden erst für den Spätherbst.
Das erste öffentliche Treffen
der Initiativgruppe „Stolpersteine in Düren“ fand am 29.11.2004 im Vortragsraum an der Christuskirche statt. Rund 25
interessierte D
ürenerinnen und Dürener hatten sich eingefunden, darunter der Bürgermeister, Stadtverordnete, sachkundige Bürger, der Leiter des Stadtarchivs und Vertreter verschiedener Geschichtsvereine.
Nach einer kurzen Einführung in die Situation in Düren stellte Gunter Demnig mit Hilfe von Dias sich, seinen künstlerischen Werdegang und vor allem natürlich das Projekt vor. Ausführliche Informationen hierzu finden sich unter www.stolpersteine.com.
Die anschließende Diskussion befasste sich vor allem mit Fragen der Recherche nach den
historischen Hintergr
ünden für die verlegten Steine, der Gewinnung von „Paten“ bzw. Sponsoren und der unterschiedlichen Haltung der Stadtverwaltungen.
Ergebnis des Abends war schließlich die Festlegung eines weiteren Termins, an dem über die Formulierung eines Bürgerantrags diskutiert und beraten werden soll: Freitag, 17. Dez., 18 Uhr im Evang. Gemeindezentrum.
Der Bürgerantrag
Auf dieser Sitzung wurde nach einem kurzen Rückblick auf die erste Veranstaltung vor allem über den Entwurf des Bürgerantrags diskutiert, mit dem die Voraussetzungen für die Verlegung von Stolpersteinen auch in Düren geschaffen werden sollen. Eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit soll erst nach einer (erwarteten) positiven
Beschlussfassung im Rat erfolgen. Erste Kontakte zu D
ürener Schulen sind vorhanden, weitere sollen/müssen geknüpft werden. Die Schulen könnten für Recherchen zu den Opfern und für Patenschaften bzw. Spenden herangezogen werden.
Bezüglich der Prioritäten bei der Auswahl der für Stolpersteine in Frage kommenden Menschen bzw. Orte wird noch keine weiter
gehende Diskussion gef
ührt. Als Kriterien könnten gelten: Noch vorhandene Bezugspunkte (z.B. Wohnhäuser) und Kontakte zu überlebenden Angehörigen (die z.T. schon Interesse bekundet haben).
Es wird konkret
Eigentlich hatten die Teilnehmer der Besprechung am 24.02. gehofft, der
Kulturausschuss h
ätte sich mit dem Bürgerantrag beschäftigt und ihn positiv beschieden. Allem Anschein nach aber herrscht in den
politischen Gremien einige Unklarheit dar
über, wie mit dem Antrag zu verfahren sei. Zwar hat der Rat am 01.02.2005 dem Bürgerantrag zugestimmt (hat er?) und ihn in die Gremien verwiesen, aber keiner
wei
ß, was weiter damit passieren soll. Immerhin hat der Leiter des städt. Tiefbauamtes in einem Telefonat schon erklärt, er sehe technisch keine Probleme und werde dem Kulturausschuss eine
entsprechende Stellungnahme zuleiten.
Die Initiative hat jedenfalls beschlossen, sich davon im weiteren Vorgehen nicht
aufhalten zu lassen. Das besteht insbesondere darin, weitere Nachforschungen
bez
üglich des Opferkreises anzustellen, der in den Bereichen „jüdische Mitbürger“, politische Gegner des Naziregimes (Kommunisten, Sozialdemokraten,
Gewerkschafter u.a.), Kirchen, Sinti und Roma (
„Zigeuner“), Homosexuelle zu finden sein wird. Die Opfer der NS-Euthanasie sind durch
(eine R
ückriem-Stele und) die Tafel am Eingang der Verwaltung der Rhein. Klinik berücksichtigt.
In einer ersten Liste sollen ca. 20-25 Namen erfasst werden, die für eine erste Verlegeaktion in Frage kommen. Diese Liste wird nach verschiedenen
Kriterien zusammengestellt (Vorhandensein von Paten; Opferstatus gekl
ärt; Ort der Verlegung unproblematisch). Bis zum nächsten Treffen soll nach Möglichkeit die Liste aller in Frage kommenden Opfer erstellt sein.
Für die finanzielle Abwicklung der Aktion wird bei der Evang. Gemeinde ein
Treuhandkonto eingerichtet, da der Initiativkreis einhellig der Meinung war,
dass die Gr
ündung eines Vereins mit entsprechenden organisatorischen Strukturen nicht in
Frage kommt.
Vorschlag für die erste Verlegung
Aus der Runde kamen als Namens-Vorschläge für die erste Verlegeaktion:
– Anna und Bernhard HORN, Schenkelstr. 22, Paten: Frau Zauder, Herr Sistenich
(Euskirchen)
– Dr. Karl LEVEN und Familie (6 Namen), Hohenzollernstr. 13, Pate: Dr. Lorenz P.
Johannsen
– Emilie BRESCHINSKI, Wirteltorplatz 13
– Josef und Berta ROER, Bergstr. 44
– Eltern und Schwester von Artur BAUM, Gürzenich
Weitere Vorschläge, möglichst mit Übernahme der Patenschaft, sind willkommen. Für die Patenschaft wird pro Stein eine Summe von 95,- Euro benötigt, die sich natürlich auch mehrere Spender teilen können. Leider besteht wegen der informellen Struktur der Initiavgruppe keine Möglichkeit, dafür Spendenquittungen auszustellen.
Das weitere Vorgehen wurde auf dem nächsten Treffen der Initiativgruppe besprochen, das am Mittwoch, dem 13. April, 18 Uhr im Raum G 13, Haus der Evang. Gemeinde, stattfand.
Nachdem der Termin für die erste Verlegung von Gunter Demnig bestätigt wurde, traf sich die Gruppe noch einmal am Donnerstag, dem 16. Juni 2005, um die letzten Einzelheiten festzulegen.
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